Die Sprache des Autors Nostradamus

Das Wesen der von Nostradamus verfassten Vierzeiler und die Bedeutung der zugehörigen Versnummern

Die Sprache des Nostradamus ist durchsetzt mit Wortspielen, Verdrehungen und Kunstwörtern, in ihrer Art erinnern sie an die homerische Sprache.

Diese epische Sprache ist keine gesprochene, echte Sprache, sondern eine Kunstsprache mit Wortneuschöpfungen (Neologismen), mit für das Versmaß angepassten Vokaldehnungen und -zertrennungen, Wortkombinationen und Idiomen, wie sie zwar verstanden, aber nie in der Realität gesprochen wurden. So ist es auch bei Nostradamus.

Schon durch Nostradamus’ Spiel mit den Worten erhöht sich die Informationsdichte erheblich. Die von mir entwickelten Interpretationsmethoden greifen zusätzlich die versteckten und zwiebelschalenartig untereinander liegenden Subebenen des Textes auf, was für sich allein genommen den möglichen Informationsgewinn aus bereits einer einzelnen Zeile potenziert.

Auch die Versnummern der einzelnen Vierzeiler in der Zenturie von 1 bis 100 sowie die der Almanache mit ihren eigenen Nummerierungen können polyvalent gedeutet werden, ohne dabei in eine Willkürlichkeit oder Nebelhaftigkeit abzudriften, denn es lassen sich klare Regeln ableiten, die eine Interpretation und Zuordnung des Vierzeilers oft unmissverständlich möglich machen.

Eine erste Erkenntnis: Es zeigt sich, dass die Nummern über den Vierzeilern im Wesentlichen Angaben enthalten über:

  1. das Alter der Hauptakteure
  2. Jahreszahlen
  3. Zeitdauern in Monaten und Jahren, in einem Fall sogar von Jahrhunderten.

Verbunden durch Raum und Zeit: fraktale Ereignisse

Die oben erwähnten kombinierten Analysemethoden liefern konsistente Ergebnisse! Ich behaupte (und meine auch beweisen zu können), dass diese Vierzeiler nicht nur ein einzelnes Ereignis in Raum und Zeit auf der Erde beschreiben, sondern eine Vielzahl miteinander verbundener, wellenartig wiederkehrender und vernetzter Ereignisse. Diese verwandten Ereignisse sind untereinander ähnlich wie Geschwister, doch nie gleich wie eineiige Zwillinge. Heraklit: »Du steigst nie zweimal in denselben Fluss.«

Diese in fraktalem Sinne selbstähnlichen Ereignisse sind in einem einzelnen Vierzeiler beschrieben, der nur durch eine subtile und legitime Änderung der Lesart Bezug nimmt auf ein anderes, aber verbundenes Ereignis zu einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit.

Die Vierzeiler sind also das Grundgerüst. Sie sind der gemeinsame Nenner, die Grundstruktur der jeweiligen Ereignisse, welche sich dann wellenartig und zueinander ähnlich in der Raumzeit manifestieren. Die Versnummern helfen hierbei nicht nur bei der Einordnung – sie sind unverzichtbar!

Arbeitete Nostradamus allein?

Die lexikalisch-etymologische Analyse, ergänzt durch einzelne Anagramme

Michel de Notredame beherrschte mehrere Sprachen – so weit, so normal. Die Gelehrten und Geistlichen im Europa des 16. Jahrhunderts tauschten sich auf Latein aus, was auch Nostradamus fließend sprach. Wir dürfen zudem vermuten, dass er des Italienischen mächtig war und die literarischen und wissenschaftlichen Werke im Original studierte.

Nicht alltäglich hingegen: Nostradamus war bewandert in der antiken griechischen Sprache.

Diese Tatsache bedingte eine der Verschlüsselungsmethoden – mit zwei überraschenden Ergebnissen: Bei genauerer Betrachtung lassen die Methode Zweifel daran entstehen, dass Notredame dieses Werk ohne Hilfe verfasst hat, zum anderen aber scheinen Fragen auf über die Natur und Struktur unserer Wirklichkeit mit Implikationen für die Betrachtung von Zufall und Vorbestimmtheit.

Grundsätzliches zur Methode der Entschlüsselung

Die Vierzeiler wurden im vorherigen Beitrag als gemeinsamer Nenner verschiedener selbstähnlicher und wellenartig in unserer Wirklichkeit sich realisierender Ereignisse und Weltgeschehen bezeichnet, deren gemeinsames Grundmuster in den mittelfranzösischen Texten verbal wiedergegeben ist.

Die hierbei gewählte Methode nimmt – mit gewissen zu ermittelnden Variationen – die Wortstämme der in den Vierzeilern angegebenen Wörter auf. Es wird dann der nächste lexikalische Eingang zu diesem Wortstamm oder des Wortes selbst in einem wissenschaftlichen Lexikon des Lateinischen oder Altgriechischen aufgesucht.

Die in unterschiedlicher Weise ober- und unterhalb dieses Eingangs zu findenden lexikalischen Begriffe beschreiben nun den Hintergrund zu dem Vierzeiler, wobei die sinnhaften Ergebnisse mit zunehmendem Abstand zum Eingangswort abnehmen bzw. stark um dieses verdichtet sind. Kürzere Wörter wurden in ein Online-Wörterbuch des Neufranzösischen eingegeben (Leo), da dieses Programm hierzu orthographisch ähnliche Wörter auswirft, die uns zusätzliche Hinweise zur Interpretation geben.

Wegen des Umfanges beschränke ich mich oft auf eine rein etymologische Untersuchung der Worte des Vierzeilers und erhalte bereits auf diesem Weg reichlich an Hintergrundinformation über abweichende Bedeutungen eines Wortes, über seine Nuancen, insbesondere in einer Wiedergabe in Latein oder Altgriechisch, oder durch die Bedeutung einer proto-indoeuropäischen Wurzel.

Trotz allem aber bleibt den Interpretationen ein unspezifischer Schutzvorhang vorgehängt, der die Textinterpretation auch über diesen Zugang nicht unbedingt frei gestattet. Es ist ein schwer zu beschreibendes individuelles und intuitives Element, welches beim Lesen des Urtextes innere Bilder entstehen lässt, gleichsam Urbilder oder Archetypen, welche, Traumbildern gleich, die beschriebene Szene vor dem geistigen Auge ablaufen lassen. Eine Nähe dieser archetypischen Bilder an die Ideenlehre Platons scheint nicht zu weit hergeholt, nach der die höherdimensionale Idee einer irdischen Sache ihrer Manifestation im Irdischen vorausgeht und diese nachgerade bedingt.

In einem eigenen Beitrag wird auf Verbindungen dieser Hintergründe zu meinem Deutungsansatz zu Beiträgen moderner Mathematiker, Physiker und Neurowissenschaftler hingewiesen werden, die diesen Deutungsansatz stützen.