Eine Erklärung, wie und warum Prophetie möglich sein kann

Einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten, Isaac Newton, hat die Welt von heute zu dem gemacht, was sie ist – und wie sie ist. Seine »klassische Mechanik« offenbart hartnäckig und enorm erfolgreich ein Verständnis der Welt als das einer »Maschine«. 

Aber ist sie wirklich so, unsere Welt?  

Eine »neue Physik« lässt Zweifel zu, präziser: Sie krempelt die Auffassung, was das sei, »real«, komplett um! Mit »neuer Physik« wird heute all das bezeichnet, was landläufig »Quantenmechanik« heißt, und die führt zu einer radikal anderen Sicht auf letzten Endes alles. 

Die Holismus-Theorie nach Bohm und Pribram

Im Jahre 1980 publizierten der Quantenphysiker David Bohm und der Neurowissenschaftler Karl Pribram ihr Buch Wholeness and the Implicate Order. In diesem Buch (»One of the most important books of our times.« – Resurgence) wird eine sog. holistische (altgr. ὅλος, ganz, vollständig) Weltsicht präsentiert. Die Welt und das Universum an sich werden nicht aus Teilen bestehend begriffen, sondern als ein bruchloses Ganzes.

Bohm und Pribram verdeutlichen ihr Weltbild an einem Hologramm. 

Hologramme zeigen bei der Betrachtung zunächst eine ganzheitliche Struktur, sagen wir, das Bild eines Baums. Doch das holographische Bild des Baumes enthält eine verborgene implizite Ordnung: Jeder einzelne, selbst der winzigste Splitter eines zerbrochenen Hologramms zeigt in der Betrachtung die Gesamtansicht des Baums.  

Anders formuliert: In jedem Raum- und Zeitabschnitt ist eine Gesamtordnung verborgen, »eingefaltet«, wie Bohm das nennt. 

Bohm vergleicht die Begrifflichkeit der eingefalteten Ordnung mit einem Tropfen Tinte, der in ein Gefäß gefüllt wird, in dem sich eine andere Flüssigkeit befindet (Glycerin) und ein Zylinder. Werde nun dieser Zylinder gedreht, ziehe sich der Faden langsam zu einem immer feineren Band auseinander, bis er sich ganz auflöst; da er nun aber nicht verschwunden ist, bleibt er implizit vorhanden und kann bei einer Gegendrehung des Zylinders wieder sichtbar gemacht werden. 

In seiner Vorlesung »Philosophische Aspekte der modernen Physik« geht Professor K. Bräuer von der Eberhard-Karls-Universität zu Tübingen auf dieses Phänomen ein. 

Fraktale Geometrie

Ein Bruch, also die gebrochene Zahl, spiegelt zunächst gebrochene geometrische Strukturen; die gebrochene Zahl beschreibt die Dimensionalität dieser Strukturen. Dies zeigt sich am besten am Beispiel einer Koch-Kurve.

Eine eindimensionale Linie wird mittig aufgefaltet, so dass dort ein unten offenes Dreieck entsteht. Wiederholt (iteriert) man diesen Schritt an den Linien der entstandenen Figur, entsteht eine fraktale Figur. Trotzdem sie weiter grundsätzlich eindimensional ist, scheint sie Flächen zu definieren, die aber nicht geschlossen sind.  

Bereits dies zeigt visuell den Zwischenzustand dieser Strukturen zwischen erster und zweiter Dimension. Nach einer logarithmischen Formel ergibt sich auch tatsächlich eine Dimensionalität zwischen 1 und 2, hier ca. 1,26. 

So ergeben sich bei Anwendung solcher Iterationsprozesse sogenannte selbstähnliche Strukturen, welche ihren konstituierenden Elementen ähnlich sind. Am anschaulichsten zeigt dies das Sierpinski-Dreieck:

Angewendet auf eine natürliche Fläche, etwa die Küstenlinie Großbritanniens, wird diese Küstenlinie bei unaufhörlicher Vergrößerung bzw. Zoom bis ins Mikroskopische unendlich, während die Fläche des Landes natürlich endlich bleibt.

Diese fast unendliche Wiederkehr sich selbst ähnlicher Strukturen bis ins Kleinste, aber auch ins Größte hinein wurden zunächst in den geometrischen Formen der berühmten Apfelmännchen bekannt; beschrieben wurden sie ab 1975 von dem US-amerikanischen Mathematiker Benoît Mandelbrot (1924 bis 2010). Sie entstehen durch stete wiederholte (iterierte) Rechenprozesse (Algorithmen) bzw. deren stete Anwendung auf sich selbst (Rekursivität).

Mandelbrot erkannte die Präsenz dieser Muster auch in der Natur bzw. ihren physischen Ausdrücken und Phänotypen oder den in ihr auftretenden und wiederkehrenden Dynamiken und Rhythmen, denen die Natur unterliegt.

So erscheinen Mandelbrot-Strukturen in der Blätter- oder Oberflächenstruktur von Pflanzen, z.B. eines Kohlkopfs, in der Anatomie im Bronchialbaum, Eiskristallen oder einem Blutgefäßnetz sowie in den Verästelungen einer Baumkrone.

Computermodell eines iterierten Pythagorasbaums

Ordnung und Struktur im scheinbaren Chaos

In oberflächlich chaotischen Ordnungen erscheinen harmonische, regelhafte und iterierte Muster. Diese Dynamiken sind somit auch dem menschlichen Herzschlag oder den Hirnströmen immanent, welche bestimmten, sich wiederholenden, selbstähnlichen Mustern folgen (siehe unten). Die Natur selbst ist nicht  rein fraktal, sondern über ein innewohnendes Zufallselement auch unregelmäßig, doch erlauben es Fraktale, die Natur möglichst genau zu beschreiben und in ihrer hohen Komplexität zu imitieren.

Fraktale zeigen uns über diese strukturell hochkomplexe Ordnung sogar die Ästhetik des scheinbaren Chaos auf. So sagt Mandelbrot in seinem Buch The Fractal Geometry of Nature:

»Wolken sind keine Kugeln, Berge keine Kegel, Küstenlinien keine Kreise. Die Rinde ist nicht glatt – und auch der Blitz bahnt sich seinen Weg nicht gerade.«

Mandelbrot war auch der Auffassung, dass Fraktale viel eher einer intuitiven Erfassung zugänglich sind als die künstlich-glatten und idealisierten Formen der traditionellen euklidischen Geometrie.

Dass sich diese chaotischen Muster selbst außerhalb von fraktalen Strukturen, nämlich in dynamischen Prozessen finden, zeigt ein Versuch mit einem magnetischen Pendel.

Ein Pendel mit Metallspitze, das knapp über drei Magneten pendelt, bleibt immer wieder an einem der Magnete haften. Wenn es sich im Rahmen weiterer Dynamik löst, beschreibt es mit der Zeit unregelmäßige Pendelkurven. Zeichnet man die Kurven auf und färbt sie ein, zeigen sich innerhalb dieser unregelmäßig scheinenden Bewegungen harmonische Muster.

Der Begriff hierfür heißt deterministisches Chaos: das zufällig scheinende Verhalten eines dynamischen Systems wie das des Pendels, das jedoch deterministischen Regeln folgt und durch starke Abhängigkeit von den jeweiligen Anfangsbedingungen nicht reproduzierbar ist.

Die Zeit: deterministisch, holistisch und fraktal

Das deterministische Chaos und die fraktale Geometrie bilden die beiden Hauptpfeiler der modernen Chaosforschung.

Da Mandelbrot-Sets auch holistisch sind, da also die Beschreibung des Ganzen in jedem seiner Teile über Selbstähnlichkeiten codiert ist, ist der Kreis zu den Theorien von Pribram und Bohm geschlossen.

So sind die Zeit selbst und die Ereignisse in ihr deterministisch, holistisch und fraktal – genau das zeigt sich in den Vierzeilern: Sie stellen jeweils das Grundgerüst eines Ereignisses dar, welches sich im Verlauf der Zeit mit einer bestimmten »Frequenz« immer wieder, aber immer wieder anders – eben selbstähnlich – wiederholt.

Wie in einem Hologramm stellt hierbei jedes Wort, jede Silbe einen »eingerollten« Hinweis dar, den es auszurollen, zu entschlüsseln gilt.

Und auch wie bei einem Hologramm wird das zu Tage tretende Bild schärfer, je mehr Hinweise man ausgerollt zusammenfügt. Das Ganze ist bereits im Detail vollständig, wenn auch unscharf, verborgen.

Bei aller Bestimmtheit ist immer ein Element der Unschärfe anzunehmen. Die Färbung, der Charakter der Verse, wiederum ist archteypisch-traumähnlich und dem Unbewussten, also der primären Existenzebene, sehr nahe.