Rückzugsorte schreiben Geschichte

Le pere et fils seront meurdris ensemble/
Le prefecteur dedans le pavillon:/
La mere a Tours, du fils ventre aura enflé/
Caiche verdure de fueilles papillon. (VIII,75)

Der Vater und der Sohn werden zusammen ermordet/
Der Ausführende ist im Lagerzelt:/
Die Mutter ist auf Knien [am Turm], den Bauch aufgebläht vom Sohn/
Versteck, grünende Natur, von Blättern, Schmetterling.“ (VIII,75)

Teil 1 zu VIII,75

VIII,75 beschreibt in seiner Bildwelt eine Konstellation familiärer oder dynastisch gebundener Machtfiguren, die in einem gemeinsamen Schicksalsmoment stehen, oft im Angesicht von Tod und Untergang, wie der erste Vers beschreibt.

Zeitlich zeigen historische Vergleichsperioden eine Häufung um gesellschaftlich bedeutende Schwellenpunkte, z. B. Feiertage, Jahreswechsel oder kollektiv-symbolische Ereignisse.

Der zweite Vers evoziert die handelnde Figur des „Ausführenden“, der seine Tat in einem eigentlichen Schutzraum begeht, der aber auch ein Ort ist, der eher Übergang als Stabilität markiert wie Urlaubs- und Rückzugsorte, mobile oder temporär bewohnte Strukturen wie gemietete Landhäuser oder Hotels.

Die Motive von Blättern („feuilles“), Grün („verdure“) und Schmetterling („papillon“, Klappmechanik eines Gerätes wie eines Laptops) können im fraktalen Interpretationsrahmen auf versteckte Speicherräume wie den Cache eines Computers deuten, auf Bargeld (Cash, US-Dollars als „Greenbacks“), Akteure mit dem Namen Grün im Namen (russ.: „zelenyi“, engl.: „Green“, politische Färbung) oder metamorphotische Übergänge des Wandels und der Transformation, aber auch der Enthüllung und des Sichtbarwerdens.

Zeile drei evoziert das Bild einer in der Kirche knienden trauernden Mutter, welcher der Sohn gleichsam „schwer im Magen liegt“ („tour“ im Mittelfranzösischen: „Turm“, aber auch „Kniescheibe“).

Welche Lösungen dieses Paradigma hat und noch haben wird, zeige ich im nächsten Beitrag.


Hier geht es zu Teil 2 dieses Beitrags.

Hier geht es zu Teil 3 dieses Beitrags.

 

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